heute Nacht bin ich gegen 2 Uhr wach geworden, weil ich Geräusche gehört habe. Ich bin aufgestanden und zum Fenster gelaufen und plötzlich schauten mich zwei Mufflons an. 😳 Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie verwundert ich im ersten Moment war. Mitten in der Nacht, hier in Kroatien, und zwei Mufflons schauen mich einfach an. Dann hörte ich noch mehr Geräusche und tatsächlich kamen noch drei weitere dazu. Unter ihnen war auch ein kleines. 🥹 Es war so niedlich. Ich blieb einfach am Fenster stehen und beobachtete sie dabei, wie sie sich ausgiebig an dem Gemüsegarten bedienten. Und natürlich musste ich sofort an die Rehe bei dir denken. Ich stand da in der Dunkelheit und hörte ihnen zu, wie sie vom Olivenbaum etwas abrissen und genüsslich schmatzten. Es schien ihnen wirklich zu schmecken. 😂 Ein Foto habe ich nicht gemacht. Mit Sicherheit wäre der Blitz angegangen und ich wollte sie nicht erschrecken. Also habe ich diesen Moment einfach nur mit meinen Augen und in meinem Herzen festgehalten. Vielleicht war es auch irgendwie schön, diesen Moment einfach nur zu erleben. Nach dem Frühstück sind wir dann in Richtung Sali gefahren. Unser erster Stopp war allerdings in Savar genau dort, wo wir am Abend zuvor dieses wunderschöne Bild vom Himmel gemacht hatten. Ich hatte schon vor ein paar Tagen gesagt, dass ich euch dort verewigen werde. Gesagt, getan. Jetzt dürft ihr beide dort sein und diese wunderschöne Aussicht genießen. Den Himmel, das Meer und diese ganze Weite. Ich hoffe, du würdest den Platz mögen. Danach ging es weiter. Wir mussten noch in eine Apotheke, weil Niels erkältet ist. 🤧 In Sali hatte ich schon am Samstag, als wir angekommen sind, diese kleine Kapelle gesehen. Heute musste ich einfach dorthin. Denn heute ist wieder dieser Tag. Der neunte. 13 Monate ohne Dich. 😞 Es ist schon wieder ein neunter. Und obwohl inzwischen 13 Monate vergangen sind, fühlt es sich manchmal noch immer so unwirklich an. Als könnte das alles gar nicht wahr sein. Als müsste ich mich irgendwann einfach umdrehen und du bist wieder da. Wir haben eure Aufkleber in der Nähe der Kapelle hinterlassen. Und auch dort habt ihr nun wieder einen Blick aufs Meer. Auf dein geliebtes Meer. 🌊 Ich musste dabei natürlich an dich denken. Daran, wie sehr du das Meer geliebt hast. Vielleicht bist du ihm jetzt näher, als du es jemals sein konntest. Auf dem Rückweg haben wir dann spontan noch an einer anderen Kirche angehalten. Leider war auch diese geschlossen. Also sind wir über den Friedhof gelaufen. Schon beim letzten Mal ist mir aufgefallen, dass die Menschen hier im Durchschnitt unglaublich alt werden. Viele sind um die 90 Jahre alt geworden. Aber dann kamen wir an einem Grab vorbei, bei dem ganz viele Engel und Lichter aufgestellt waren. Ich sagte noch zu Niels: „Das wird hell leuchten.“ Dann schaute ich auf die Tafel, um zu sehen, wer dort seinen Platz gefunden hatte. Und plötzlich sagte Niels: „Ja, kein Wunder, dass es hier so aussieht.“ Mein Blick ging nach vorne auf das Bild. Und da lag ein kleines Mädchen. Gerade einmal zwei Jahre alt. 🥺 Mir hat es wirklich den Atem genommen. Ich konnte gar nichts sagen. Ich merkte nur, wie sich meine Kehle zuschnürte und mir die Tränen über das Gesicht liefen. Zwei Jahre. So klein. Ein ganzes kleines Leben, das kaum begonnen hatte. Und trotzdem schon vorbei. Es hat sich so unglaublich ungerecht angefühlt. Sie starb 2008. In dem Jahr, in dem du auf die Welt gekommen bist. Dieser Gedanke hat mich noch einmal ganz anders getroffen. Und nur drei Reihen weiter lag eine junge Frau. Gerade einmal 31 Jahre alt. Auch das fühlte sich einfach falsch an. Sie starb 2025. In dem Jahr, in dem du gegangen bist. Warum ist das Leben manchmal nur so verdammt ungerecht? Warum müssen manche Menschen so früh gehen? Warum du? Warum dieses kleine Mädchen? Warum diese junge Frau? Ich weiß, dass es darauf keine Antwort gibt. Aber in diesem Moment hat es mich einfach tief getroffen. Ich brauchte eine Weile, bevor ich weitergehen konnte. Vielleicht, weil man an solchen Gräbern wieder ganz deutlich spürt, wie kostbar und gleichzeitig zerbrechlich dieses Leben ist. Und dann ging es irgendwann weiter nach Hause. Eigentlich fahren wir kurz bevor wir ankommen immer an dieser Farm vorbei, auf der sie Eier, Käse, Olivenöl und vieles mehr verkaufen. Heute haben wir endlich einmal angehalten. Der Bauer war Anfang 30 und unglaublich lieb. Wir durften sogar in den Stall und uns die Ziegen und Hühner anschauen. Und dann musste er sich erst einmal waschen. 😂 Er sah wirklich ziemlich wild aus. Als er fertig war, kam er mit einem Teller zurück. Darauf waren Ziegenkäse, Olivenöl und Wurst zum Probieren. Dazu zwei kleine Gläschen mit Joghurt und Pflaumenmarmelade. Ich habe wirklich alles probiert. Ja, sogar den Käse. 😂 Du weißt ja, dass ich absolut keinen Käse mag. Aber dieser hier? Der war tatsächlich richtig lecker! Also haben wir Olivenöl, Käse, Marmelade und Wurst gekauft. Danach sind wir noch schnell zum Bäcker und haben frisches Brot geholt. Und dann haben wir erst einmal richtig geschlemmt. Du hättest bestimmt über mich gelacht, weil ich tatsächlich freiwillig Käse gegessen habe. 😂❤️ Aber dann wollte ich unbedingt eine Idee umsetzen. Und heute ist eben nicht irgendein Tag. Heute ist der neunte. Und ich konnte hier keine Kerze für dich anzünden. Keine Kapelle war geöffnet, keine Kirche. Normalerweise bringe ich dir an diesem Tag eine Kerze und frische Blumen. Heute ging das leider nicht so, wie ich es sonst mache. Aber ich wollte den Tag trotzdem nicht einfach verstreichen lassen. Also habe ich mir den Stein genommen, den wir gesammelt haben. Und ich habe ihn für euch beschriftet. In unseren Farben. Den Farben, die uns seit 13 Monaten begleiten. 💖🩵💙 Wir sind noch einmal zu der Kirche auf dem Berg gefahren, weil sie mich so beeindruckt hatte. Dort habe ich euren Stein für euch niedergelegt. Aber ich hatte auch noch einen zweiten Stein. Einen nur für Dich. Auch den habe ich beschriftet und dort für dich abgelegt. Es ist vielleicht nur ein Stein. Für andere vielleicht nichts Besonderes. Aber für mich bedeutet er etwas. Weil ich ihn ausgesucht, in der Hand gehalten und für dich beschriftet habe. Weil ich wollte, dass auch heute etwas von mir für dich ist. Ich bringe dir es sonst ja immer an dein zuhause. Heute ging es nicht in der gewohnten Form. Aber weißt du was? Mercy ist zu Verena gefahren, hat dir Blümchen geholt und sie noch vor der Arbeit zu dir gebracht. ❤️🫂 Mir ist es wichtig. Gerade an diesen Tagen. Jeder neunte erinnert mich daran, dass wieder ein Monat vergangen ist. Ein Monat, in dem ich dich vermisse. Ein Monat, in dem ich gelernt habe, irgendwie weiterzumachen, obwohl du nicht mehr hier bist. 13 Monate. Ich frage mich manchmal, wie es sein kann, dass die Zeit einfach weiterläuft. Die Welt dreht sich. Menschen lachen. Menschen gehen zur Arbeit. Menschen machen Urlaub. Das Leben geht einfach weiter. Und trotzdem fehlt ein Mensch. Du. Am Abend hatten wir hier dann sogar noch ein richtiges Unwetter. Gegen 21:15 Uhr fiel plötzlich der Strom aus. Bei uns. Und im ganzen Dorf. Zack. Alles dunkel. Und ich meine wirklich dunkel. Nur die Blitze haben den Abend immer wieder für einen kurzen Moment erhellt. So etwas hatten wir hier in Kroatien bisher auch noch nicht erlebt. Zum Glück hatten wir das Tablet dabei und konnten noch ein bisschen Serie schauen. Aber während ich hier so sitze und dir von unserem Tag erzähle, muss ich dir noch etwas sagen. Etwas, das mir seit unserer Ankunft immer wieder auffällt. Egal, wohin wir fahren. Egal, wo wir anhalten. Egal, wo wir aussteigen. Immer kommt mir als Erstes ein Schmetterling entgegen. Wirklich immer. Und vielleicht würden andere Menschen sagen, das sei Zufall. Vielleicht ist es das auch. Aber ich sehe es anders. Ich kann es nicht erklären. Ich kann es nicht beweisen. Aber ich fühle es. Für mich fühlt es sich an, als würdest du mir sagen:„Ich bin hier.“ Als würdest du mir zeigen, dass du uns begleitest. Dass du ganz nah bei uns bist. Und genau das spüre ich tief in meinem Herzen. Du bist nicht mehr hier, so wie ich dich gerne bei mir hätte. Ich kann dich nicht umarmen. Ich kann deine Stimme nicht hören. Ich kann dir nicht erzählen, was heute passiert ist und dabei dein Gesicht sehen. Aber irgendwie finde ich dich trotzdem immer wieder. In den kleinen Dingen. In einem Schmetterling. In einem besonderen Himmel. Im Meer. In einem Stein. In einer Kerze. In einem Lied. In Erinnerungen. Und vielleicht heute Nacht sogar in fünf Mufflons, die mitten in der Nacht unseren Gemüsegarten plündern. 🥹❤️ Du fehlst mir. Heute. Am neunten. Nach 13 Monaten. Und morgen werde ich wieder aufstehen und weitermachen. Aber heute darf ich dich vermissen. Heute darf ich traurig sein. Heute darf ich an dich denken. Heute darf ich dir erzählen, was wir erlebt haben. Und heute darf ich einfach ganz fest daran glauben, dass du irgendwo bei uns bist. Ganz nah. So nah, wie es eben möglich ist. Und wenn mir morgen wieder ein Schmetterling entgegen fliegt, werde ich wahrscheinlich wieder lächeln. Weil ich dann an dich denke. Und weil ich tief in meinem Herzen glaube, dass du mir damit sagen möchtest: „Ich bin da. Ich passe auf euch auf.“ Ich hab dich lieb. Heute, morgen und an jedem neunten.
Für immer. ❤️🫂🦋
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